Nachholspiel bei Jugend debattiert

Jungend Debattiert Videokonferenz

Mohamed El-Zein konnte sich im letzten Jahr als Landessieger bei Jugend debattiert in der Sek I durchsetzen. Wegen Corona entfiel dann leider das anschließende Bundesfinale in Berlin. Nun gab es immerhin ein lohnendes Nachspiel: Mohamed durfte das sehr wertvolle Siegerseminar besuchen und das Bundesfinale 2020 wurde (die UEFA hat sich das Konzept wohl zum Vorbild genommen) - allerdings digital - nachgeholt. Mohamed berichtet über seine Erlebnisse:

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Liebe Leserinnen und Leser,
mein Name ist Mohamed El-Zein, ich bin 17 Jahre alt und in der 11. Klasse. Seit der achten Klasse bin ich bei „Jugend debattiert“ dabei und habe dieses Jahr sogar an der Bundesqualifikation teilgenommen. Wie so viele andere Veranstaltungen auch, war die Organisation des Wettbewerbs dieses und letztes Jahr sehr kompliziert. Ich möchte euch allgemein über meine Teilnahme erzählen und fange von null an:

Seit der achten Klasse nehme ich jährlich an „Jugend debattiert“ teil. In der zehnten Klasse ist es mir sogar gelungen, mich für den Landesentscheid in Hannover zu qualifizieren. Der 10. März 2020 ist für mich dabei ein ganz besonderes Datum, denn an diesem Tag habe ich zum ersten Mal im Hannover Landtag sein und debattieren dürfen. Hinzu kommt, dass ich mich für den Bundesentscheid qualifizieren konnte!

Dann wurde die Lage allerdings immer ernster und der Wettbewerb wurde abgesagt. Die gemeinnützige Hertie-Stiftung, ebenso die anderen Stiftungen, die den Wettbewerb organisieren, wollten dann aber für die Saison 2020 ein würdiges Ende finden. So kam es dann zum Saisonfinale, welches digital ausgetragen wurde. Dafür habe ich als Ersatz zum Landessieger-Seminar ein Saisonsieger-Seminar erhalten (ebenfalls online), welches auf das Saisonfinale vorbereitet hat. An diesem haben die Bundesländer teilgenommen, die den Wettbewerb so weit wie nur irgendwie möglich austragen konnten, teilgenommen. Denn: nicht alle Bundesländer konnten ein Regionalfinale organisieren, wohingegen andere schon mit dem Regionalsieger-Seminar fertiggeworden sind. So habe ich dann am 20. Juni 2020 in der Position Contra 2 debattiert, ob in der Eurozone nur noch bargeldlos bezahlt werden soll. Platzierungen gab es nicht und das finde ich auch gut so, denn…

Ich sehe Jugend debattiert als Hobby und nicht als Wettbewerb. Man gewinnt immer, egal, wie weit man kommt. Die Teilnahme hat mir von Tag 1 an Spaß bereitet. Die Kenntnisse (rhetorisch, argumentativ, kommunikativ etc.), die ich erworben habe, wende ich noch heute im Unterricht an. Jugend debattiert hat meinen Horizont erweitert und ermöglicht mir, Sachverhalte aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Doch wie kam es jetzt ganz genau zur Bundesqualifikation? Ich habe ganz spontan eine Mail gesehen, in der ich zu den Bundesfinaltagen eingeladen wurde. Es ist nämlich so, dass alle Bundesländer dieses Jahr (digital) am Wettbewerb teilgenommen haben, außer Niedersachsen. Die Landessieger (darunter ich; es kommen im Landes- und Regionalentscheid immer Platz 1 und 2 weiter) wurden von letztem Jahr nachgerückt. Schließlich wurde mir ein dreitätiges Landessieger-Seminar angeboten, welches auf den Bundesentscheid vorbereiten sollte.

Ich habe in der Hinrunde als Pro 2 (eine Position, die ich nicht mag :) debattiert, ob Künstliche Intelligenz zur Leistungsbewertung zentraler Abschlussprüfungen eingesetzt werden solle. In der Rückrunde war ich Contra 2 (eine Hassliebe: ich mag die Position nicht, bekomme sie immer wieder zugewiesen und am Ende klappt es trotzdem). Ich musste (die Positionen werden gelost) mich dagegen aussprechen, dass Jugendliche ab 14 das Recht haben sollten, die Geschlechtsangabe im Personenstand selbst angeben zu dürfen. Zwei total spannende Debatten, aus denen ich viel mitnehme!

Es erstaunt mich immer wieder erneut, wie viel man dazulernen kann. „Jugend debattiert“ ist ein erstaunlich breit gefächertes Projekt, das man regelmäßig verfolgen muss.
Diese Kenntnisse gebe ich unheimlich gerne weiter und wie gesagt: Ich wusste schon immer, dass ich - egal, ob ich weiterkomme oder nicht - meine Kenntnisse anderen beibringen und Jugend debattiert weiterhin in mein Leben integrieren möchte. So habe ich dieses Jahr erstmals die „Jugend debattiert AG“ angeboten. Diese AG möchte ich in meiner verbleibenden Zeit am HEG weiterführen und allen ab Klasse 8 die Möglichkeit geben, sich über den Unterricht hinaus mit diesem wie ich finde unterschätztem aber in Echt sehr wertvollem Projekt auseinanderzusetzen. Wichtig war und ist mir und das sollte es auch DIR sein: Man muss Spaß haben und das Wort „Wettbewerb“ ausblenden. Ich denke, wenn ich nicht diesen großen Spaß an Jugend debattiert hätte, würde ich heute nicht hier diese Zeilen tippen.

Wie fast immer wirken natürlich Menschen auf einen ein, aber entweder man hat den Spaß von sich aus, oder nicht. Zu meiner Leidenschaft und meinem Charakter, in den Jugend debattiert denke ich auch eingeflossen ist, haben die Lehrkräfte aber auch beigetragen. Daher bedanke ich mich besonders bei Herrn Gerlach und Frau Kiehl, die mich seit dem Methodentag in Klasse 8 (wo man dem Wettbewerb zum ersten Mal über den Weg läuft) begleiten. Frau Schelk und Frau Jäker-Ebeling sind mir nicht nur im Unterricht, sondern als Jurorinnen immer wieder über den Weg gelaufen und haben mich ab Klasse 9 auch in meiner „Laufbahn“ begleitet. Vielen Dank an Sie und an alle Lehrkräfte, die diese „Reise“ mitverfolgt haben und mitverfolgen!

Ich freue mich auf zukünftige AG-Sitzungen und auf zukünftiges Engagement im Alumni (also Ehemaligen-) - Verein Jugend debattiert. Ebenso freue ich mich, das Projekt hier am HEG zu unterstützen!

Danke für‘s Lesen!

 

Preisverleihung

Jugend Debattiert